„Er ist der Ry Cooder Kataloniens“, sagt mein Fotografenkollege Frits nach einem Tag in den Bergen, als er dem Musiker und Bergsteiger Jordi Mestre am Ufer eines Hochgebirgssees (ein Estany auf Katalanisch) zuhört.
Es fühlt sich selten und intim an. Wie die Verfolgung des schwer fassbaren Pyrenäenbären im Val d’Aran mit Naturforscher Marià Serrat. Oder das Sternegucken unter einem der klarsten Himmel Europas. Typische WideOyster-Momente – deshalb möchten wir, dass auch du sie erlebst.
Musik, Bären und Sterne: drei Wege, die Pyrenäen zu verstehen. Wo jede Erfahrung, egal wie unterschiedlich, eine gemeinsame Einladung teilt: Halte inne, fühle und lass die Berge sprechen.
Ein Gitarrenakkord schwebt über dem Granittal, gleitet die Wände hinunter, während Wind die Noten trägt. Oben kreisen Vögel, angezogen vom ungewohnten Echo. Wir stiegen auf 2.363 Meter, ins Herz des Naturparks Alt Pirineu, um Berge neu und anders zu erleben: durch Musik.
Manche Projekte können nur aus Leidenschaft entstehen. Bergsteigen mit Musik zu verbinden, Aufnahmen auf über dreitausend Meter hohen Gipfeln zu machen - das war Jordi Mestres Idee. Seine Liebe zu beiden Welten wurde zu dem, was er 'Soul Mountain' nennt.
Jordi, 38, aus Lleida, wuchs mit Musik und Bergen auf. Er ist ein usiker, der sich nie zwischen Notenblatt und Hang entscheiden konnte. Und wollte. Soul Mountain entstand ganz natürlich. „Warum nicht meine beiden Leidenschaften verbinden? Wenn Nina Simone sagte, Musiker sollten unsere Zeit widerspiegeln, warum dann nicht ich hier oben, wo sich die Landschaft verändert?“
Das Vall d'Àreu erstreckt sich unter einem regenverhangenen Himmel. Auf dem Parkplatz Moixeus bereiten sich Jordi und seine Partnerin Neus auf den Aufstieg vor. Er schnallt seine Ausrüstung an und verschnürt seine Gitarre. Dann packt er noch etwas Unerwartetes für eine Pyrenäenbesteigung mit: einen acht Kilo schweren Verstärker. „Wenn ich alleine gehe, kann ich nur bis zu fünfundzwanzig Kilo tragen“, scherzt er. „Ich bin ja gut trainiert, habe schon meine Kinder auf dem Rücken die Berge hochgeschleppt.“
Seine Gitarre, inspiriert von der Gibson 335, ist aus Lleida-Walnuss, Valencia-Tonabnehmern und einem europäischen Hals gefertigt. „Kilometer null“, sagt er. Das Gitarrenholz hat nach so vielen Gipfeln die Farbe gewechselt. Jordi ist auf Gipfeln wie Mulleres, Montarto, Aneto, Biciberri Nord, Collado Maldito und auch auf Alpengletschern aufgetreten. „Jeder Gipfel ruft anders zu dir. Manchmal ist es Schönheit, manchmal eine persönliche Geschichte, manchmal einfach, weil ich es für machbar halte, den Verstärker dorthin zu schleppen.“
Er geht selten allein. Meist begleiten ihn ein Bergführer und ein Kameramann. Gemeinsam haben sie schon Videos und Instrumentalstücke aufgenommen - immer mit Respekt vor dem Aufnahmeort.
Dieses Jahr ist Soul Mountain Teil des Torelló Mountain Film Festivals. „Wir präsentieren unsere neueste Produktion, womit wir sogar das Festival abschließen.“ sagt er - ruhig und stolz. Sein Projekt arbeitet mit der Kilian Jornet Foundation zusammen. Das bei Eingeweihten Neugier und Bewunderung.
Wir erreichen den Estany d’Aixeus, einen ovalen See, eingebettet zwischen Felswänden. Jordi rollt Kabel, Pedale und Mikrofone aus und passt alles dem Wind an. „Ich jage nicht nach Studioqualität; ich suche die Integration in die Landschaft.“
Eine Note, ein Akkord, eine Melodie. Die Musik ist sanft, tief. Für Jordi ist der Berg nicht nur eine Bühne, er ist gleichzeitig Darsteller und Publikum. Er beginnt erneut, die Finger bewegen sich sanft trotz der Kälte. Er spielt John Coltranes „Alabama“. „Es ist ein dunkles Lied, wie die Zeiten, in denen wir leben, aber es sucht nach etwas.“ Regentropfen fallen auf den See, markieren einen natürlichen Rhythmus und beenden die Darbietung.
Beim Abstieg kommen ein Vater und zwei Kinder vorbei. „Bist du Jordi von Soul Mountain?“ „Ich schätze, man sieht nicht viele Leute, die Gitarren auf Berge schleppen“, lacht er. „Wir lieben deine Musik! Adieu!“
Jordi lächelt. Der Regen kehrt zurück. Irgendwo im Tal treibt das Echo seiner Gitarre noch immer umher und sucht einen Ort zum Verweilen.
Inzwischen bist du sicher neugierig, Jordis Musik zu hören. Wir haben uns mit der gesamten Ausrüstung den Berg hinaufgeschleppt, um eine Aufnahme exklusiv für die WideOyster-Leser zu machen. Voilà!
„Auch wenn wir ihn nicht gesehen haben, bin ich überzeugt, dass sich ein Bär in diesem Tal bewegt.“ Es ist sieben Uhr morgens im Val d’Aran, wo Kuhglocken unter einer rosafarbenen Morgendämmerung widerhallen.
Marià Serrat, 33, Forscher an der Universität Girona und Gründer der Wildtierführungsagentur Pirynaicus, scannt den Horizont von einer Hochwiese aus. Wir sind seit zwei Tagen auf der Spur, und dieser Satz spiegelt seinen Stil wider: vorsichtig, informiert und leise optimistisch, seit seiner Kindheit geprägt vom Symbol des Bären.
Seine Leidenschaft begann in der Kindheit, inmitten der Sammlungen des Naturforschers Félix Rodríguez de la Fuente, die seine Mutter aufbewahrte, und während der Sommer in Rialp, im Herzen der Pyrenäen.
„Ich muss sieben gewesen sein, als meine Großmutter mir erzählte, dass es dort Bären gegeben hatte“, erinnert er sich. Die erste Wiederansiedlung fand 1996 statt. Das führte ihn dazu, Umweltwissenschaften zu studieren, in Argentinien Andenbären und Jaguare zu verfolgen und drei Monate in Kamtschatka zu verbringen, einer der bärenreichsten Regionen der Welt. „Das war die Meisterklasse in Verhalten und Umgang bei Begegnungen.“
Marià erwähnt, dass Bären nicht von Natur aus Bergbewohner sind: „Sie leben von Alaska bis zur Wüste Gobi. Und in den Bergen sind sie nur, weil wir sie dorthin verdrängt haben.“ Die Pyrenäen gelten heute als einer der schwierigsten Orte in Europa, um Bären zu beobachten. Nachdem die Population in den 1990er Jahren unter fünf Individuen gesunken war, erholte sie sich dank Einführung slowenischer Bären. Seit 2005 ist sie jährlich um etwa 10 % gewachsen.
„Das nachhaltige Maximum könnte bei etwa 300 Individuen liegen. Das ist aber von viele Faktoren abhängig“, sagt er. Das Val d’Aran bietet günstige Bedingungen: zusammenhängende Wälder und reichlich Nahrung.
Die Rückkehr des Bären hat auch langjährige Spannungen ausgelöst. Für Marià war ein Hauptproblem das Gefühl der Bevormundung durch EU-Habitatrichtlinien. „Zwei Generationen hatten so gut wie keinen Kontakt zu den Tieren. Niemand will, dass Bären verschwinden, aber keiner will sie im eigenen Tal“, sagt er. Bauern, Jäger, Verwaltungen und Umweltschützer haben widersprüchliche Ansichten.
Trotzdem sieht Marià Stabilität. Für ihn liegt die Zukunft in der Stärkung sozialer Bindungen: „Der Wendepunkt wird kommen, wenn sich die Einheimischen mit dem Bären identifizieren, stolz auf ihn sind - und sich das auch in ihren Geldbörsen bemerkbar macht.“
Der Weg zum Beobachtungspunkt schlängelt sich durch Buchen- und Tannenwälder. Marià zeigt Krallenspuren an einem Baumstamm und Überreste eines zerrissenen Termitenhügels: „Typisches Bärenverhalten.“ Vom Aussichtspunkt aus teilt sie Suchgebiete ein und erklärt das Wesentliche: „Farbe täuscht. Jeder sieht falsche Bären. Wenn es sich nicht bewegt, ist es kein Bär.“
Am späten Nachmittag verdunkelt sich das Tal. Ein Hirsch huscht über die Lichtung. Die Bären befinden sich in Hyperphagie: „Sie fressen ununterbrochen. Und wenn du weißt, wo sie fressen, kannst du ihre Bewegungen ganz gut vorhersagen.“
„Einen Bären zu entdecken, ist das Tüpfelchen auf dem i. Ansonsten gibt's auch so viel Landschaft und Natur zu verstehen und zu genießen.“
Mit über zehn Jahren Erfahrung und spezialisiertem Wissen über Braunbären in den Pyrenäen organisiert Pirynaicus Wochenend- und viertägige Bärenbeobachtungstouren in den Pyrenäen – stets mit ethischem Anspruch und Respekt gegenüber den Tieren und den Menschen, die in dieser Region leben.
Soul Mountain ist ein einzigartiges und beispielloses Projekt, das sich der Aufnahme von Originalsongs in Höhen über 3.000 Metern widmet. Diese Kreationen entstehen stets im Einklang mit der hochalpinen Umgebung des Aufnahmeortes. Ziel ist es, das Bewusstsein zu schärfen und die Bewahrung von Natur und Kultur als zwei der grundlegenden Säulen für eine bessere Zukunft zu betonen.
Dank eines Stipendiums von Cases de la Música hat Soul Mountain auch das erste Studioalbum aufgenommen, zusammen mit den Sängerinnen Joana Jové und Alidé Sans. Diese Songs können durch eine Spende an die Kilian Jornet Foundation heruntergeladen und angehört werden.
Die Nacht senkt sich über die Pyrenäen. Sanft, legt sie sich auf ihre Konturen, bis nur noch das Wesentliche bleibt. In diesen Bergen, wo die Dunkelheit noch ein Naturerbe ist, kann Sternegucken unsere Beziehung zum Universum und zu uns selbst neu definieren.
Im Herzen der Pyrenäen zeichnen sich der Nationalpark Aigüestortes i Estany de Sant Maurici und das Vall de Boí durch die UNESCO Starlight-Zertifizierung aus, es belegt eine sehr geringe Lichtverschmutzung. Hier gewinnt die Nacht ihre ursprüngliche Dichte zurück. Das Firmament entfaltet sich ohne Störungen, und Konstellationen zeichnen alte Routen über Täler, die von Eis und Stille geformt wurden. Astronomie wird zu einer Kunstform, einem Dialog zwischen Gipfeln und Sternen.
In Alta Garrotxa hat das Astronomische Observatorium Albanyà eine Wiese in ein nächtliches Heiligtum verwandelt. Das rosafarbene Tal enden hier oben bei den Teleskopen, die auf Sternhaufen und Galaxien gerichtet - und von keiner Stadt aus sichtbar sind. Im Sommer fällt die Milchstraße fast senkrecht herab, wie ein leuchtender Strom.
Das Astronomische Observatorium Pedraforca, am Fuße eines einzigartigen Doppelgipfelbergs - hier wirkt die Anziehungskraft des Massivs und beim Blick nach oben glaubt man, dass das Nordkreuz scheint das Firmament zu verankern scheint. Jupiter leuchtet mit uralter Intensität.
Entdecke die Pyrenäen beim Wandern, Klettern - erlebe Kultur und Abenteuer: mehr als 1.000 km markierte Wanderwege, legendäre Gipfel und endlose Outdoor-Aktivitäten - ein Land, in dem die Natur und ihr Erbe Hand in Hand gehen. Experimentierte mit lokaler Gastronomie, erkunde ländliche Traditionen und genieße das echte Bergleben. Starte heute deine Reise in die Pyrenäen, erlebe Katalonien von seiner besten Seite.
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