Reiseheld: Roy Ortiz

Luxus ist kein Fünf-Sterne-Hotel, sondern ein Reiseziel so authentisch zu erleben wie ein Einheimischer.

Wenn wir reisen, verlassen wir unsere Komfortzone und unsere Routinen, Wir öffnen uns für neue Erfahrungen. Wir wollen an unbekannte Orte geführt werden – draußen in der Welt, aber auch in unserem Innern. Lerne Roy Ortiz kennen, unseren heutigen Travel Hero. Roy ist Miteigentümer von TouristEd Chile, einer Pionierin des regenerativen und nachhaltigen Tourismus in Chile.

TEXT: Javier González

FOTOGRAFIE: Frits Meyst

Magazine Nordchile Spezial

Der Lebenslauf von Roy Ortiz in einem Wort? Überwältigend. Seine Leidenschaft für verantwortungsvolles Reisen mündete in der Gründung mehrerer Unternehmen für nachhaltigen Tourismus.

Sein Wissen und seine Erfahrung sind international anerkannt, u.a. von der Global Partnership for Sustainable Tourism und der Adventure Travel Trade Association.

Zudem ist Roy Botschafter der Responsible Hotels Community und des Transformational Travel Councils. Seine Zusammenarbeit mit der Eco-Agrotourism Foundation im Rahmen des Nachhaltigkeitszertifizierungsprojekts Ceres Ecotur unterstreicht seine Position als führender Experte in diesem Bereich.



Ich war und bin fasziniert von kulturellen Unterschieden zwischen Ländern und Reisezielen. Davon, wie unser Geist und unsere Persönlichkeit durch den Ort, an dem wir geboren wurden, und die Kultur, in der wir aufwachsen oder uns entwickeln, geprägt werden

Wo bist du jetzt? Woran arbeitest du?
Ich entwickle eine Veranstaltung für Abenteuer- und Naturtourismus, die wir Ende 2024 in der Region Araucanía durchführen werden. Eines unserer Ziele ist es, die lokale Entwicklung zu fördern. Dazu stellen wir neue touristische Ziele in Chile vor. Letztes Jahr haben wir eine Veranstaltung in der Region Coquimbo, am Rande der Atacama-Wüste, durchgeführt. Aufgrund des enormen Erfolgs wurden wir gebeten, diese in einer anderen Region Chiles zu wiederholen.

Was hat dir das Reisen in deinem Leben gegeben?
Wie hat Reisen dich als Person geprägt?

Seit meiner Jugend hatte ich das Glück, zu reisen und andere Kulturen kennenzulernen. Ich habe in England studiert. Diese Erfahrung und das Eintauchen in andere Kulturen hat mir geholfen zu verstehen, dass es viele verschiedene Wege gibt, um Orte oder Ziele zu erreichen.
Ich stamme von den Kanarischen Inseln. Meine dreijährige Studienzeit in England hat eine Saat in mir gepflanzt, die bis heute weiterwächst.
Ich war und bin fasziniert von kulturellen Unterschieden zwischen Ländern und Reisezielen. Davon, wie unser Geist und unsere Persönlichkeit durch den Ort, an dem wir geboren wurden, und die Kultur, in der wir aufwachsen oder uns entwickeln, geprägt werden.



Ich habe aus erster Hand erfahren, wie Massentourismus Reiseziele zerstören und zu erheblichen Konflikten zwischen Reisenden und lokaler Bevölkerung führen kann


Erzähl uns von den Anfängen von TouristEd.
Wo, wie und warum ist die Idee entstanden?

Die Ursprünge von TouristEd gehen auf meinen Partner Patricio Vega, dem Gründer des Unternehmens, zurück. Als Meeresbiologe wollte er einen Beitrag leisten gemäß seines Mottos ‚Wo Wissenschaft zum Abenteuer wird‘.
Zunächst war das Unternehmen nur in der Region Coquimbo tätig, einem Hotspot der Meeresbiodiversität. Nach einigen Jahren der Tätigkeit lernte ich dort Patricio kennen.
Wir waren uns sofort sympathisch und teilten die gleiche Philosophie bei der Gestaltung von Reiseerlebnissen.
Ich habe einen Abschluss in Umweltwissenschaften und einen Master in nachhaltiger Entwicklung. Das ergänzt sich also hervorragend mit Patricios Wissen. Dann konzentrierten wir uns gemeinsam auf die Entwicklung von Tourismusangeboten, die zur Erhaltung von Natur und traditionellem Handwerk beitragen.
Wir arbeiten jetzt mehr als fünf Jahren zusammen. Der Name TouristEd kombiniert die Bausteine Tourismus und Bildung.

Wie trägt TouristEd zur Erhaltung der Umwelt und zur Entwicklung lokaler und indigener Gemeinschaften bei?
Ich stamme ursprünglich von den Kanarischen Inseln und weiß daher um das zweischneidige Schwert des Tourismus.
Ich habe aus erster Hand erfahren, wie Massentourismus Reiseziele zerstören und zu erheblichen Konflikten zwischen Reisenden und der lokalen Bevölkerung führen kann.
Deshalb fördern wir stets lokaler Unternehmer, Reiseleiter sowie Erlebnisse, die traditionelles Handwerk, lokale Kultur und Erhaltung von natürlichen und kulturellen Ressourcen zum Gegenstand haben. Wir arbeiten mit Fischern, Bauern, Ziegenhirten und Viehzüchtern zusammen. Wir wollen ihnen helfen, zusätzliches Einkommen zum Erhalt ihrer Lebensweise zu erzielen.
Wir sind uns bewusst, dass diese Reiseziele immer seltener werden. Daher ist es unser Ziel, sie durch verantwortungsvollen Tourismus zu erhalten.




Bei TouristEd bieten wir lokalen Gemeinschaften ein zusätzliches Einkommen, damit sie ihre traditionellen Tätigkeiten weiter ausüben können und – was noch wichtiger ist – den Wert dieser Lebensweisen erhalten, die anderswo verschwinden


Vor welchen Herausforderungen stehen die lokalen und indigenen Gemeinschaften, mit denen du arbeitest?
Für die Ziegenhirten und Fischer, mit denen wir zusammenarbeiten, ist die tägliche Arbeit nicht nur ein Job, sondern eine Lebensweise. In der Region Coquimbo haben wir ein großes Problem mit Trockenheit, was die Erhaltung der traditionellen Lebensweise sehr erschwert.
Bei TouristEd bieten wir lokalen Gemeinschaften ein zusätzliches Einkommen, damit sie ihre traditionellen Tätigkeiten weiter ausüben können und – was noch wichtiger ist – den Wert dieser Lebensweisen erhalten, die anderswo verschwinden.
Wenn ein Reisender mit diesen Ziegenhirten oder Fischern interagiert und sie den Wert ihrer Lebensweise vermittelt, dann sind wir auf dem richtigen Weg.

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Was können wir von diesen Gemeinschaften lernen?
Lokale und indigene Gemeinschaften bieten eine einzigartige Weltsicht. Sie vermitteln die Perspektive ihrer Vorfahren. Ich glaube, das dies unser globales Denken bereichert. Kulturelle Vielfalt ist wichtig, um uns als Gesellschaft besser verstehen zu können.

Wie können Ökotourismus und Abenteuerreisen dazu beitragen, unseren Planeten und die Lebensweise lokaler Gemeinschaften zu schützen und zu bewahren?
Wir bieten Natur- und Sportaktivitäten wie Kajakfahren, Wandern, Trekking, Bergsteigen, Radfahren, Klettern, Canyoning – immer mit größtem Respekt für natürliche Werte des Reiseziels und in Verbindung mit den dort lebenden Menschen.
Viele Reisende entscheiden sich für uns, weil sie Reiseziele wegen natürlicher und kultureller Werte kennenlernen wollen. Und sie kehren zurück wegen der Menschen, die sie treffen.
Es sind diese Interaktionen, die wir bei unseren Reisen immer betonen, um den Austausch von Meinungen, Weltanschauungen und kulturellen Unterschieden zu fördern. Das ist es doch, was Erfahrungen einzigartig und authentisch machen.


Viele Reisende entscheiden sich für uns, weil sie Reiseziele wegen natürlicher und kultureller Werte kennenlernen wollen. Und sie kehren zurück wegen der Menschen, die sie treffen

Welchen Rat hast du für Menschen, die sich über die Auswirkungen des Reisens Gedanken machen?
Das Reisen hat mir geholfen, die Welt, andere Kulturen und Sichtweisen besser zu verstehen. Vor allem hat es mir geholfen, mich selbst besser kennenzulernen. Wenn wir lernen und verstehen wollen, gibt es keinen besseren Lehrer als das Reisen.
Aus diesem Grund haben wir unser Unternehmen Tourist + Ed genannt; es verbindet Tourismus und Bildung. Beides beziehen wir immer in unsere Angebote ein.
Wenn wir reisen, verlassen wir unsere Komfortzone und unsere Routinen, wir öffnen uns für neue Erfahrungen. Wir wollen an unbekannte Orte geführt werden – draußen in der Welt, aber auch in unserem Innern.

Glücklicherweise wollen immer mehr Menschen an Orte reisen, die Authentizität ausstrahlen, wo Luxus nicht ein Fünf-Sterne-Hotel ist, sondern ein Erlebnis

Wir nehmen an, dass der Prozess nicht einfach war.
Auf welche Schwierigkeiten bist du gestoßen, aus denen du am meisten gelernt hast?

Wir haben uns großen Herausforderungen gestellt, vor allem weil wir uns auf Reisen abseits der ausgetretenen Pfade spezialisiert haben.
Wir fördern Reiseziele, damit diese bekannter werden und dennoch ihren lokalen Charakter und ihre Authentizität behalten.
Viele dieser Ziele sind den meisten Reisenden unbekannt.
Glücklicherweise wollen immer mehr Menschen an Orte reisen, die Authentizität ausstrahlen, wo Luxus nicht ein Fünf-Sterne-Hotel ist, sondern ein Erlebnis, bei dem man das Reiseziel wie ein Einheimischer kennenlernt.

Was sind deine Lieblingsreiseziele und -routen in Chile?
Zu unseren Lieblingszielen gehört das Limarí-Tal in der Region Coquimbo. Dort kann man die Weltanschauung der Diaguita- und Molle-Völker kennenlernen.
Oder erkunde die Täler, in denen exquisite Weine und Piscos hergestellt werden. Besuche den Humboldtstrom, wo du den Blauwal beobachten kannst. Oder die Anden, wo du durch die Berge bis zur Grenze zu Argentinien wanderst.

Ein weiteres beliebtes Reiseziel ist das südchilenische Patagonien. Da kannst du die Magellanstraße bis zum Ende des amerikanischen Kontinents erkunden. Mit dem Kajak fährst du in Feuerland an Gletschern und Buckelwalen vorbei.
Oder erlebe das wilde Patagonien entlang der Carretera Austral. Ach, die Möglichkeiten sind endlos, Chile hat so viel zu bieten!

Lass‘ dich für dein nächstes Abenteuer inspirieren

Entdecke das Araucanía Travel Fest 2024, die bedeutendste Veranstaltung des Jahres im Bereich Abenteuer- und Naturtourismus – im wunderschönen Araukaníen!
An der Veranstaltung nehmen renommierte nationale und internationale Experten teil, die ihr umfangreiches Wissen über Umwelt, nachhaltiger Tourismus und mehr weitergeben.

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ÜBER DEN AUTOR

Javier González ist begeisterter Bergsportler. In den ersten zehn Jahren seiner Laufbahn reiste er als Freiberufler mit dem Snowboard von Skigebiet zu Skigebiet: Pyrenäen, Alpen, Anden, Japan und mehr. Zwölf Jahre lang war er Chefredakteur von Oxígeno, Spaniens meistverkauftem Outdoor-Sportmagazin. Heute leitet er die spanische Ausgabe von WideOyster und ist für den spanischen und lateinamerikanischen Markt zuständig.

ÜBER DEN FOTOGRAFEN

Seit 25 Jahren reist Frits Meyst um die Welt – immer auf der Suche nach unbekannten Kulturen, abgelegenen Orten und großen Abenteuern. „Ich will meine Leser dazu inspirieren, zu reisen, die Komfortzone zu verlassen und in fremde Kulturen einzutauchen“, sagt er. Seine Reportagen erscheinen unter anderem in National Geographic Traveler, Time Magazine, New York Times, The Guardian, ANWB Reizen Magazine, Kampioen, Op Pad und im WideOyster Magazine.

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